Globale Fonds beenden ihre lange Untergewichtung chinesischer Aktien, da die Renditen beißen
Jahrelang hielten viele globale Investmentfonds bewusst Abstand von chinesischen Aktien und hielten weniger als das Benchmark-Gewicht des Marktes nahelegen würde. Diese Haltung zeigt nun Risse. Einer aktuellen Umfrage der Bank of America unter globalen und asiatischen Fondsmanagern zufolge haben steigende Anleiherenditen die Angst vor einer Blase bei künstlicher Intelligenz als das größte Risiko abgelöst, das Anleger heute an den Märkten sehen.
Der Hintergrund ist ein Anleihemarkt, der ungewöhnlich turbulent geworden ist. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, ein Maßstab für die Kreditkosten weltweit, stieg über 5 %. Die 30-jährige Rendite kletterte auf den höchsten Stand seit Jahren. Wenn die sichersten Anlagen plötzlich mehr abwerfen, ändert sich die Kalkulation für jede andere Investition, und Portfolios, die auf billiges Geld aufgebaut sind, müssen überdacht werden.
Diese Verschiebung wirkt über Grenzen hinweg. Einige globale Fonds haben begonnen, lang gehaltene Untergewichtungen in chinesischen Aktien aufzulösen, so Marktteilnehmer, was eine Änderung der marktübergreifenden Allokation bedeutet. Chinesische Aktien werden seit längerer Zeit mit einem Abschlag gegenüber vielen entwickelten Märkten gehandelt, was sie relativ günstig erscheinen lässt, falls sich das globale Bild stabilisiert. Für Manager, die Diversifikation suchen, ist dieser Abschlag schwerer zu ignorieren geworden.
Gleichzeitig floss Geld über die Southbound-Connect-Programme, die Investoren aus dem chinesischen Festland mit der Börse der Stadt verbinden, in in Hongkong notierte Aktien. Von chinesischen Finanzmedien zitierte Wind-Daten zeigten kumulierte Nettozuflüsse aus dem Süden von fast 430 Milliarden Hongkong-Dollar seit Jahresbeginn, wodurch Geld vom Festland zu einer der wichtigsten Quellen neuer Nachfrage nach Hongkong-Aktien wurde. Im vergangenen Monat zogen Unternehmen aus den Bereichen Informationstechnologie, Industrie und Finanzen die größten Nettozukäufe an.
Institutionen wechseln jedoch nicht einfach von Anleihen zu Aktien. Die Botschaft der Investmentmanager ist differenzierter: diversifizieren und intensiver über die Laufzeit der gehaltenen Anleihen nachdenken. Bei hohen kurzfristigen Zinsen, aber größerer langfristiger Unsicherheit zählt die Form der Renditekurve ebenso wie ihr Niveau. Anleger streuen ihr Engagement über Regionen, Sektoren und Laufzeiten, anstatt eine einzige kühne Wette einzugehen.
Im chinesischen Festland haben Fondsgesellschaften ihr eigenes Signal gegeben. Mehrere Manager, darunter E Fund und Hui An, lockerten kürzlich die Kaufbeschränkungen für ihre leistungsstärksten Fonds. Solche Beschränkungen werden typischerweise verhängt, wenn Geld droht, bei Markthöchstständen zu schnell hineinzuströmen; ihre Lockerung nach einem Rücksetzer wird zu einer gängigen Praxis, während die Branche reift. Analysten deuten die Schritte als vorsichtig positives Zeichen, warnen jedoch, dass Erwartungen an die Liquidität im Ausland und volatile Technologiebewertungen die wichtigsten kurzfristigen Risiken für die Märkte in Hongkong und auf dem Festland bleiben.
Nichts davon bedeutet eine reibungslose Fahrt. Chinesische Aktien bleiben empfindlich gegenüber Schwankungen der globalen Risikobereitschaft, und die Bewertungen des Technologiesektors können sich bei Schlagzeilen über KI-Ausgaben oder Chip-Versorgung stark bewegen. Die Anleiherenditen könnten weiter steigen, wenn Inflation oder staatliche Kreditaufnahme nach oben überraschen. Aber die Richtung der Reise ist bemerkenswert: Nach einer langen Phase der Vorsicht überprüfen einige der größten Allokatoren der Welt zumindest den Fall China – nicht aus Begeisterung, sondern weil die Alternativen komplizierter geworden sind.