Lithografie-Riesen bauen aus, Chipkonzerne sichern sich Maschinen Jahre im Voraus

Die Maschinen, die die weltweit modernsten Chips drucken, werden Jahre im Voraus gebucht. ASML, das niederländische Unternehmen, das den Markt für Extrem-Ultraviolett-Lithografie (EUV) dominiert, teilte in seinem jüngsten Quartalsbericht mit, dass die Kundenreservierungen für Anlagen der Jahre 2027 und 2028 bereits über die aktuellen Ausbaupläne hinausgehen. Einige Kernkunden, so das Unternehmen, hätten begonnen, nach Lieferquoten für 2029 und 2030 zu fragen.
ASML plant, die Kapazität für zwei Kernproduktlinien – EUV mit niedriger numerischer Apertur und Immersions-DUV-Lithografie – im kommenden Jahr um jeweils 30 Prozent zu erhöhen, und prüft, ob der Zuwachs für 2027 darüber hinausgehen kann. Zudem hat das Unternehmen eine neue Runde von Preisverhandlungen mit allen großen Kunden abgeschlossen – ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage stark genug ist, um festere Konditionen zu stützen.
Der Engpass betrifft nicht nur einen Lieferanten. Auch die japanischen Unternehmen Canon und Nikon, die andere Klassen von Lithografieanlagen herstellen, bauen aus, und die drei Firmen zusammen decken den Großteil des Weltmarkts für die Maschinen ab, die bestimmen, wie klein die Strukturen eines Chips sein können. Wenn die führenden Lieferanten zugleich Kapazitäten aufbauen, bedeutet das meist, dass die Auftragsbücher voll sind – und nicht, dass die Branche einen plötzlichen Nachfrageschub erwartet.
Der Boom geht auf die KI zurück. Rechenzentren, die für das Training und den Betrieb großer Sprachmodelle gebaut werden, benötigen riesige Mengen an Hochbandbreitenspeicher und fortschrittlichen Logikchips, und beide erfordern Lithografie der Spitzenklasse. Speicherhersteller und Foundries haben sich beeilt, sich die Anlagen vor ihren Rivalen zu sichern, wodurch Gerätereservierungen zu einem strategischen Gut werden.
Für China ist das Bild komplizierter. Exportkontrollen haben den Zugang zu den modernsten EUV-Maschinen eingeschränkt, was heimische Firmen dazu drängt, eigene Alternativen zu entwickeln. Yu Chengdong, ein hochrangiger Huawei-Manager, hat zuvor erklärt, EUV-Anlagen aus heimischer Fertigung seien ein realistisches Ziel, nannte jedoch keinen Zeitplan. Chinas Chipindustrie hat bei der Fertigung in ausgereiften Knoten Fortschritte gemacht, doch die Lücke an der Spitze bleibt groß.
Der Ausbau der Anlagen hat zudem einen langen Rattenschwanz. Eine Lithografiemaschine ist kein einzelnes Produkt, sondern ein System aus Linsen, Lichtquellen, Präzisionstischen und Software, und jeder Lieferant hängt von einer Kette spezialisierter Zulieferer ab. Die Produktion binnen eines Jahres um 30 Prozent zu steigern bedeutet, dass auch diese Zulieferer skalieren müssen – was nicht immer im selben Takt möglich ist.
Für die globalen Chiphersteller lautet die Botschaft, dass die modernsten Fertigungskapazitäten noch Jahre knapp bleiben werden. Unternehmen, die früh Aufträge gesichert haben, sind im Vorteil; wer das nicht tat, muss womöglich warten. Dass ASML bereit ist, über Quoten für 2029 und 2030 zu sprechen, deutet darauf hin, dass das Unternehmen eine starke Nachfrage weit über den aktuellen Investitionszyklus hinaus erwartet.
Das nächste Signal ist, ob ASMLs Kapazitätssteigerung für 2027 über 30 Prozent steigt und ob Canon und Nikon mit eigenen Zielen nachziehen. Heben alle drei zugleich ihre Erwartungen an, bestätigt das, dass der KI-getriebene Chipausbau mehr Spielraum hat, als die aktuellen Auftragsbücher bereits zeigen.