Öl steigt um 4,25%, während Gold und Silber im Shanghaier Nachthandel fallen

Der Nachthandel in Shanghai endete am Donnerstag, 31. Oktober, mit einem geteilten Bild: Rohöl-Futures und Edelmetalle bewegten sich in entgegengesetzte Richtungen. Der meistgehandelte Rohöl-Kontrakt der Shanghai Futures Exchange mit Fälligkeit im Dezember stieg um 4,25% und schloss bei 758,50 Yuan je Barrel. In derselben Sitzung fiel Gold in Shanghai um 3,51% und Silber um 6,8%, wie aus von Finanzmedien zitierten Börsendaten hervorgeht.
Diese Bewegungen sind bedeutsam, weil im Shanghaier Nachthandel, der nach dem Tagesschluss stattfindet, die chinesischen Rohstoffpreise erstmals auf die über Nacht bekannt gewordenen Entwicklungen an den Weltmärkten reagieren. Beim Öl setzt der Anstieg eine Stärkephase fort, die mit Angebotssorgen und einer breiteren Rally bei den Energiepreisen zusammenhängt. Bei Gold und Silber markiert der Rückgang eine scharfe Kehrtwende: Beide Metalle gehörten zu den besten Anlagen des Jahres und zogen stetige Käufe chinesischer Anleger an, die sich gegen Unsicherheit absichern wollten.
Ein Barrel zu 758,50 Yuan entspricht bei aktuellen Wechselkursen rund 107 Dollar – ein für jüngste Verhältnisse hohes Niveau, das direkt in Chinas Importrechnung eingeht. China ist der weltweit größte Rohölimporteur, sodass jeder Yuan Preissteigerung beim Öl die Kosten für Raffinerien, Fluggesellschaften, Speditionen und Fabriken erhöht. Der Sprung im Nachthandel deutet darauf hin, dass Händler ein engeres Angebot und keine schwächere Nachfrage einpreisen.
Der Rückgang bei Gold und Silber erzählt eine andere Geschichte. Der Silberverlust von 6,8% ist für eine einzelne Sitzung besonders steil und deutet auf Notverkäufe oder eine rasche Auflösung gehebelter Positionen hin. Chinesische Privatanleger haben in diesem Jahr massiv in Gold investiert und Münzen, Barren und Schmuck gekauft; Silber ist zu einer beliebten günstigeren Alternative geworden. Wenn die Preise so schnell fallen, spüren das oft zuerst die kleineren Anleger.
Beide Bewegungen zusammen deuten eher auf eine Umschichtung als auf einen einzelnen makroökonomischen Schock hin. Geld, das in Edelmetallen geparkt war, scheint in Energie und andere zyklische Anlagen zu fließen – oder nach einer langen Rally einfach abgezogen zu werden. Solche Umschichtungen sind gegen Jahresende üblich, wenn Fonds Gewinne sichern und sich für das kommende Jahr neu positionieren.
Für internationale Leser sind die Shanghaier Zahlen ein nützlicher Frühindikator. Da der Nachthandel läuft, während London und New York noch aktiv sind, fängt er oft die erste chinesische Reaktion auf westliche Nachrichten ein und kann Hinweise auf die asiatische Nachfrage am nächsten Morgen geben. Ein Ölplus von 4,25% und ein Silberminus von 6,8% in denselben Stunden sind eine ungewöhnlich große Spanne, und es bleibt zu beobachten, ob der Tagesschluss sie bestätigt oder umkehrt.
Was als Nächstes geschieht, hängt davon ab, ob die Öl-Rally hält. Steigt Rohöl weiter, könnten chinesische Raffinerien ihre Produktion drosseln und Importeure sich aggressiver absichern, was sich in späteren Handelsvolumina zeigen würde. Stabilisieren sich Gold und Silber, könnte sich der Verkauf als einmaliger Ausverkauf einer Nacht erweisen und nicht als Beginn eines tieferen Rückzugs. So oder so gab die Sitzung vom 31. Oktober den Händlern ein klares Bild davon, wohin das Geld an Chinas Rohstoffmärkten fließt.