Elf Handys, ein Läufer: Der Campus-Nebenjob, der eine Regel brach

An einer chinesischen Universität bemerkte jemand einen ungewöhnlichen Anblick auf der Campus-Laufbahn: Ein einzelner Student bewegte sich fort, mit elf Smartphones am Körper. Jedes Handy gehörte einem Kommilitonen, der ihn dafür bezahlt hatte, eine vorgeschriebene Laufaufgabe in seinem Namen zu erledigen. Diese als daipao bekannte Praxis – wörtlich: für jemand anderen laufen – ist eine kleine Schattenwirtschaft auf Campusgeländen, wo Fitness-Apps Distanz und Tempo für Sport-Credits erfassen.
Das Vorhaben flog auf, als die Universität davon erfuhr. Die Verantwortlichen drängten den Läufer, die Liste der Studenten herauszugeben, deren Handys er getragen hatte, was der Hochschule ermöglicht hätte, jeden Einzelnen zu bestrafen. Er weigerte sich. Berichte über den Vorfall verbreiteten sich rasch in den chinesischen sozialen Medien, wo der Student für das gelobt wurde, was viele als Ehrgefühl bezeichneten, oder renyi – die konfuzianisch geprägte Idee der Loyalität gegenüber Gleichgestellten.
Für Leser weltweit ist die Geschichte ein Fenster in ein sehr chinesisches Campus-Ritual. Viele Universitäten verlangen von ihren Studenten, jedes Semester eine bestimmte Anzahl Laufkilometer zu absolvieren, oft über eine Handy-App, die GPS, Geschwindigkeit und Zeit misst. Die Regeln sollen Bewegungsmangel entgegenwirken und den Sportunterricht messbar machen. Doch sie schaffen auch einen Markt: Studenten, die nicht gern laufen oder mit Kursen und Jobsuche beschäftigt sind, zahlen bereitwillig jemanden, der es für sie tut.
Das Geschäftsmodell des Läufers war grob, aber effizient. Elf Handys gleichzeitig bedeuteten elf separate Konten, die jeweils eine Route aufzeichneten. Eine einzige Runde konnte fast ein Dutzend Aufträge erfüllen. Was die Hochschule als Betrug sah, sah der Läufer offenbar als Dienstleistung – und seine Kunden stimmten vermutlich zu.
Die Weigerung, Namen zu nennen, machte aus einer kleinen Disziplinarsache eine breitere Debatte. Chinesische Social-Media-Nutzer stritten darüber, ob er dumm oder bewundernswert sei und ob eine Regel, die sich so leicht auslagern lässt, überhaupt Fitness misst. Einige Kommentatoren argumentierten, die Universitäten sollten die Anreize korrigieren, statt den Läufer zu bestrafen. Andere merkten an, dass die Studenten, die ihn bezahlt hatten, zumindest in der online verbreiteten Version der Ereignisse keine öffentlichen Konsequenzen zu tragen hatten.
Der Vorfall berührt auch einen wunden Punkt in Sachen Überwachung und Daten auf chinesischen Campus. Fitness-Apps, die Standort und Tempo verfolgen, sind weit verbreitet, und Studenten tauschen seit Langem Tipps aus, wie man sie ohne tatsächliches Laufen erfüllt. Der Elf-Handy-Läufer hat eine Praxis, die viele kannten, lediglich hochskaliert.
Es ist unklar, welche disziplinarischen Maßnahmen die Universität letztlich ergriff, falls überhaupt. Name und Hochschule des Läufers wurden nicht weithin berichtet, und die Geschichte verbreitete sich vor allem über Screenshots und Forenbeiträge. Doch das Bild eines Studenten, der mit einem Fächer von Handys auf der Brust joggt, ist geblieben – teils Komödie, teils Parabel über Regeln, von denen alle wissen, dass sie umgangen werden.